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Analytik

Löslichkeit anhand der Sequenz abschätzen

Fullerene in einer Lösung aus flüssigem Ammoniak

Löslichkeit ist keine feste Materialeigenschaft, sondern hängt von Lösungsmittel und pH-Wert ab. Dennoch lässt sich aus der Sequenz eines Peptids bereits vor dem ersten Rekonstitutionsversuch grob abschätzen, wie unkompliziert oder schwierig sich ein Material lösen lässt.

Ladung als wichtigster Faktor

Sequenzen mit deutlichem Überschuss basischer (Lysin, Arginin, Histidin) oder saurer Reste (Asparaginsäure, Glutaminsäure) tragen bei neutralem pH-Wert eine ausgeprägte Nettoladung. Geladene Moleküle sind in wässrigen Lösungsmitteln in der Regel deutlich besser löslich als ungeladene.

Sequenzen mit ausgeglichener Ladungsbilanz — annähernd gleich viele basische wie saure Reste — liegen näher an ihrem isoelektrischen Punkt und sind bei neutralem pH-Wert typischerweise schwerer löslich.

Ladungsbilanz ausgewählter Sequenzen

MaterialBasisch (K/R/H)Sauer (D/E)Bilanz
LL-37115+6
VIP72+5
Sermorelin62+4
Tesamorelin62+4
CJC-1295 No DAC52+3
CJC-1295 DAC52+3
SLU-PP-33241+3
MOTS-c41+3
Melanotan I41+3
MOTS-c (Kapseln)41+3
GHK (kupferfrei)20+2
Larazotid-Acetat20+2

Ein deutlicher Überschuss in eine Richtung verschiebt den isoelektrischen Punkt weg vom Neutralbereich — und damit weg von dem pH-Wert, bei dem die Löslichkeit am geringsten ist. Sequenzen mit ausgeglichener Bilanz sind erfahrungsgemäß die schwierigeren Kandidaten beim Rekonstituieren.

Hydrophobe Anteile

Ein hoher Anteil unpolarer, aromatischer oder aliphatischer Reste — Phenylalanin, Tryptophan, Leucin, Isoleucin, Valin — senkt die Wasserlöslichkeit unabhängig von der Ladungsbilanz. Solche Sequenzen benötigen häufiger ein Colösungsmittel wie DMSO, bevor sie in wässriges Medium überführt werden.

Die Kombination aus geringer Nettoladung und hohem hydrophobem Anteil ist die anspruchsvollste Konstellation für die Rekonstitution und sollte in der Lagerempfehlung des jeweiligen Materials entsprechend adressiert sein.

Was daraus praktisch folgt

Eine grobe Einschätzung der Sequenz vor dem Rekonstituieren erklärt, warum dieselbe Vorgehensweise bei einem Material problemlos, bei einem anderen unbefriedigend funktioniert — es liegt selten am Vorgehen, sondern an der Sequenz.

Bei absehbar schwierigen Sequenzen ist es sinnvoll, mit einem kleinen Volumen zu beginnen und schrittweise zu ergänzen, statt die gesamte vorgesehene Menge auf einmal zuzugeben — das erleichtert die Beurteilung, ob tatsächlich vollständig gelöst wurde.

Temperatur als zusätzlicher Faktor

Löslichkeit ist temperaturabhängig, bei Peptiden meist in dem Sinn, dass sich schwer lösliche Sequenzen bei leicht erhöhter Temperatur besser lösen. Diese Abhängigkeit lässt sich vorsichtig nutzen, kollidiert aber mit der Stabilitätsanforderung, empfindliche Sequenzen nicht unnötig zu erwärmen.

In der Praxis ist deshalb kurzes, moderates Erwärmen — etwa auf Handwärme statt offener Wärmequelle — häufig ein sinnvoller Kompromiss bei schwer löslichen Sequenzen, während eine anschließend rasche Abkühlung zur vorgesehenen Lagertemperatur die Stabilität wahrt.

Woran sich das im Katalog ablesen lässt

Der Katalog führt derzeit 69 Referenzmaterialien in 9 Materialgruppen, mit 122 einzeln dokumentierten Chargen. Für jede dieser Chargen ist eine eigene Seite erreichbar, die Prüfmethode, Messwert, Spezifikation und Prüfdatum je Parameter ausweist — ohne Konto und vor der Kaufentscheidung einsehbar.

Bei 44 der 69 Materialien sind CAS-Nummer, Summenformel, Molekülmasse und Sequenz gegen öffentliche chemische Datenbanken abgeglichen. Die übrigen sind gekennzeichnet, weil sich mindestens ein Referenzwert dort nicht eindeutig belegen lässt — bei Gemischen, Polypeptidfraktionen und rekombinanten Proteinen ist das der Normalfall. Eine Kennzeichnung ist hier die ehrlichere Angabe als eine Zahl, die niemand nachprüfen kann.

Einordnung

Die Sequenz allein verrät bereits viel über die zu erwartende Löslichkeit eines Materials. Die materialspezifische Lösungsmittelempfehlung im jeweiligen Materialprofil berücksichtigt diese Faktoren bereits.

Research Use Only. Alle im Katalog geführten Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Sie sind keine Arzneimittel, keine Lebensmittel und keine Kosmetika und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.

Häufige Fragen

Was beeinflusst die Löslichkeit eines Peptids am stärksten?

Die Ladungsbilanz der Sequenz. Ein deutlicher Überschuss basischer oder saurer Reste verbessert die Löslichkeit in wässrigem Medium meist erheblich.

Warum sind manche Peptide schwer wasserlöslich?

Meist durch eine Kombination aus ausgeglichener Ladungsbilanz und hohem Anteil hydrophober, aromatischer oder aliphatischer Reste.

Was tun bei absehbar schwer löslichen Sequenzen?

Mit kleinem Volumen beginnen und schrittweise ergänzen, gegebenenfalls mit einem geeigneten Colösungsmittel — statt die gesamte Menge auf einmal zuzugeben.