Materialprofil
Melanotan I: Sequenz, Analytik und Studienlage
Lineares 13-Aminosäuren-Analogon des α-MSH (Afamelanotid). Referenzmaterial für Melanocortin-1-Rezeptor-Studien. Diese Seite fasst zusammen, was sich über Melanotan I anhand der Referenzdaten und der analytischen Prüfung sagen lässt — Sequenz, Masse, Stabilität und die Frage, woran sich die Qualität einer konkreten Charge erkennen lässt.
Identität und Referenzdaten
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Bezeichnung | Melanotan I |
| Sequenz | Ac-SYS-Nle-EHFRWGKPV-NH2 |
| Kettenlänge | 16 Aminosäuren |
| Summenformel | C78H111N21O19 |
| Molekülmasse | 1646,85 g/mol |
| CAS | 75921-69-6 |
| Darreichungsform | lyophilisiertes Pulver |
| Reinheitsspezifikation | ≥ 99 % HPLC |
| Forschungsbereich | Pigmentierung & Hautmodelle |
Für Melanotan I lässt sich mindestens ein Referenzwert nicht eindeutig aus öffentlichen Datenbanken belegen — bei Gemischen, Polypeptidfraktionen und rekombinanten Proteinen ist das der Normalfall, nicht die Ausnahme. Wir kennzeichnen das als unbestätigt, statt eine Zahl zu übernehmen, die sich nicht prüfen lässt. Maßgeblich sind die Angaben zu den Einzelkomponenten.
Was die Sequenz über die Synthese verrät
Mit 16 Aminosäuren und 15 Kupplungsschritten ist die Sequenz synthetisch anspruchsvoll. Fehlerraten einzelner Schritte multiplizieren sich über die Kette, weshalb der präparativen Aufreinigung hier deutlich mehr Gewicht zukommt als bei kurzen Fragmenten.
Die Ladungsverteilung — 4 basische gegenüber 1 sauren Resten — bestimmt das Löslichkeitsverhalten. Der basische Überschuss spricht für gute Löslichkeit im leicht sauren Bereich.
Stabilität und Lagerung
Die Sequenz enthält 1× Tryptophan. Diese Reste sind oxidationsempfindlich und bestimmen die Lagerempfehlung für Melanotan I stärker als die Kettenlänge. Tryptophan ist photolabil, weshalb Lichtschutz bei diesem Material keine Formalie ist.
Ungeöffnet bei −20 °C lichtgeschützt lagern; für den Versand ist das Lyophilisat bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil. Nach Rekonstitution bei 2–8 °C lagern und wiederholtes Auftauen vermeiden.
Der praktisch häufigste Reinheitsverlust entsteht nicht bei der Lagerung, sondern beim wiederholten Auftauen einer einzigen Stammlösung. Wer direkt nach der Rekonstitution aliquotiert, entnimmt später jeweils ein frisches Gefäß und belastet den Rest nicht.
Analytische Prüfung je Charge
Für Melanotan I gilt die folgende Einkaufsspezifikation. Die genannten Werte sind Sollbereiche, gegen die eingekauft wird, und keine chargenbezogenen Messergebnisse:
- HPLC — Reinheitsbestimmung gegen die Spezifikation ≥ 99 %
- LC-MS — Identitätsprüfung gegen 1646,85 g/mol
- Karl-Fischer — Restwassergehalt, Spezifikation ≤ 5,0 %
- ICP-MS — Schwermetallbefund, Spezifikation ≤ 10 ppm
Die Kombination ist der Punkt: HPLC allein sagt, wie einheitlich das Material ist, aber nicht, was es ist. Erst die Massenprüfung schließt aus, dass eine saubere Substanz die falsche Substanz ist.
Formate und Verfügbarkeit
Melanotan I ist als 10 mg gelistet, preislich von 0,40 €. Ab fünf Einheiten derselben Größe greift die Mengenstaffel. Für laufende Versuchsreihen ist die größere Einheit meist die ruhigere Wahl — ein Chargenwechsel mitten in einer Messreihe erzwingt sonst eine neue Referenzbestimmung.
Der Preis pro Milligramm unterscheidet sich zwischen den Formaten und ist der belastbarere Vergleichswert als der reine Fläschchenpreis. Für die Umrechnung von Einwaage in Massen- oder Stoffmengenkonzentration steht der Rekonstitutionsrechner im Werkzeugbereich zur Verfügung, der beide Größen ohne manuellen Zwischenschritt berechnet.
Referenzquellen
Keiner der verglichenen deutschen Anbieter belegt seine Stoffangaben mit einer nachprüfbaren Quelle. Wir tun das, weil ein Referenzwert, den man nicht nachschlagen kann, kein Referenzwert ist. Alle Kennungen unten wurden gegen PubChem und PubMed aufgelöst, nicht aus dem Gedächtnis notiert:
Melanotan I
Substanzeintrag: PubChem CID 16197727 — aufgelöst über 75921-69-6. Dort stehen Summenformel, Molekülmasse und Synonyme in einer Fassung, die sich gegen unsere Angaben prüfen lässt.
- Hadley ME et al., Pharm Biotechnol, 1998. Discovery and development of novel melanogenic drugs. Melanotan-I and -II. PMID 9760697 · doi:10.1007/0-306-47384-4_25
- Evans-Brown M et al., BMJ, 2009. Use of melanotan I and II in the general population. PMID 19224885 · doi:10.1136/bmj.b566
- Ugwu SO et al., Biopharm Drug Dispos, 1997. Skin pigmentation and pharmacokinetics of melanotan-I in humans. PMID 9113347 · doi:10.1002/(sici)1099-081x(199704)18:3<259::aid-bdd20>3.0.co;2-x
Die genannten Arbeiten belegen, dass die Substanz Gegenstand publizierter Forschung ist. Sie sind keine Aussage über Eignung, Sicherheit oder Nutzen — die Materialien sind ausschließlich für die Laborforschung bestimmt.
Einordnung
Melanotan I gehört im Katalog zur Gruppe Pigmentierung & Hautmodelle. Analytisch benachbart sind Melanotan II, GHK-Cu, AHK-Cu — verwandte Fragestellungen, aber eigene Sequenzen, eigene Massen und eigene Zertifikate. Chargendaten werden zwischen Materialien nie übertragen.
Research Use Only. Melanotan I ist ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Das Material ist kein Arzneimittel, kein Lebensmittel und kein Kosmetikum und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt. Zu Fragestellungen am Menschen machen wir bewusst keine Angaben.
Häufige Fragen
Welche Sequenz hat Melanotan I?
Ac-SYS-Nle-EHFRWGKPV-NH2 — 16 Aminosäuren, Summenformel C78H111N21O19, Molekülmasse 1646,85 g/mol.
Welche Reinheit erreicht Melanotan I realistisch?
Die Spezifikation liegt bei ≥ 99 % HPLC. Bei 15 Kupplungsschritten ist das analytisch plausibel. Deutlich höhere beworbene Werte sind bei dieser Materialklasse kritisch zu bewerten.
Wie wird Melanotan I gelagert?
Ungeöffnet bei −20 °C lichtgeschützt lagern; für den Versand ist das Lyophilisat bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil. Nach Rekonstitution bei 2–8 °C lagern und wiederholtes Auftauen vermeiden.
Ist Melanotan I ein Arzneimittel?
Nein. Melanotan I ist Referenzmaterial für die Laborforschung, besitzt keine arzneimittelrechtliche Zulassung und ist nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.