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Analytik

N-terminale Acetylierung und C-terminale Amidierung

3D-Kugelmodell eines Coffein-Moleküls

Viele Sequenzen im Katalog tragen ein „Ac-” vor dem ersten oder ein „-NH2” nach dem letzten Rest. Beide Kürzel beschreiben Modifikationen an den Kettenenden, die die freie Amino- beziehungsweise Carboxylgruppe des unmodifizierten Peptids ersetzen.

Was an den Enden verändert wird

Unmodifizierte Peptide tragen am N-Terminus eine freie, positiv geladene Aminogruppe und am C-Terminus eine freie, negativ geladene Carboxylgruppe. Acetylierung ersetzt die N-terminale Aminogruppe durch eine neutrale Acetylgruppe, Amidierung die C-terminale Carboxylgruppe durch ein Carboxamid.

Beide Reaktionen laufen während der Festphasensynthese ab — Acetylierung als letzter Kupplungsschritt am N-Terminus, Amidierung meist über die Wahl eines entsprechenden Harzes, das die Amidgruppe bereits beim Abspalten vom Träger erzeugt.

Warum diese Modifikationen gewählt werden

Beide Modifikationen verändern die Ladungsverteilung an den Kettenenden und damit Löslichkeit und isoelektrischen Punkt der gesamten Sequenz. Amidierte Peptide sind zudem gegenüber bestimmten exopeptidasen Abbauprozessen chemisch weniger angreifbar als ihr freies Carboxyl-Pendant, was sie zu einem Standardformat in der Peptidforschung macht.

Für die Katalogisierung sind das keine kosmetischen Varianten, sondern eigenständige Substanzen: Ein amidiertes und ein nicht-amidiertes Peptid derselben Kernsequenz unterscheiden sich in Summenformel, Molekülmasse und CAS-Nummer.

Auf dem Zertifikat sichtbar

Jede Modifikation verschiebt die berechnete Molekülmasse um einen festen Betrag: Acetylierung addiert die Masse einer Acetylgruppe abzüglich Wasser, Amidierung ersetzt eine Hydroxyl- durch eine Aminogruppe. Diese Differenz muss sich in der massenspektrometrischen Identitätsprüfung wiederfinden.

Fehlt die Modifikation in der Sequenzangabe, obwohl sie im Produktnamen steht — oder umgekehrt —, ist das ein Widerspruch, der vor dem Kauf zu klären ist, nicht danach.

Beide Modifikationen gleichzeitig

Viele Sequenzen tragen beide Modifikationen zugleich — acetyliert am N-Terminus und amidiert am C-Terminus —, weil sich ihre Effekte auf Ladung und Stabilität ergänzen, statt sich gegenseitig auszuschließen. Der Produktname zeigt das üblicherweise durch beide Kürzel gleichzeitig.

Für die Sequenzangabe bedeutet das, beide Massenverschiebungen gleichzeitig zu berücksichtigen: Wer nur eine der beiden Modifikationen in die Massenberechnung einbezieht, kommt zu einem Wert, der bei der Identitätsprüfung nicht zum gemessenen Molekülion passt.

Der Produktname allein ist dabei kein verlässlicher Indikator: Zwei Anbieter benennen dieselbe modifizierte Sequenz nicht immer identisch, weshalb die Sequenzangabe mit ausgewiesenen Endgruppen die eigentlich verbindliche Information bleibt, nicht der Handelsname.

Woran sich das im Katalog ablesen lässt

Der Katalog führt derzeit 69 Referenzmaterialien in 9 Materialgruppen, mit 122 einzeln dokumentierten Chargen. Für jede dieser Chargen ist eine eigene Seite erreichbar, die Prüfmethode, Messwert, Spezifikation und Prüfdatum je Parameter ausweist — ohne Konto und vor der Kaufentscheidung einsehbar.

Bei 44 der 69 Materialien sind CAS-Nummer, Summenformel, Molekülmasse und Sequenz gegen öffentliche chemische Datenbanken abgeglichen. Die übrigen sind gekennzeichnet, weil sich mindestens ein Referenzwert dort nicht eindeutig belegen lässt — bei Gemischen, Polypeptidfraktionen und rekombinanten Proteinen ist das der Normalfall. Eine Kennzeichnung ist hier die ehrlichere Angabe als eine Zahl, die niemand nachprüfen kann.

Einordnung

Acetylierung und Amidierung sind definierte chemische Modifikationen mit eigener Massenkonsequenz, keine Geschmacksfrage der Benennung. Welche Modifikation ein Material trägt, ist in der jeweiligen Sequenzangabe im Materialprofil dokumentiert.

Research Use Only. Alle im Katalog geführten Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Sie sind keine Arzneimittel, keine Lebensmittel und keine Kosmetika und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.

Häufige Fragen

Was bewirkt N-terminale Acetylierung?

Sie ersetzt die freie, geladene N-terminale Aminogruppe durch eine neutrale Acetylgruppe und verändert damit Ladung und Löslichkeit der Sequenz.

Was bewirkt C-terminale Amidierung?

Sie ersetzt die freie Carboxylgruppe am Kettenende durch ein Carboxamid, was die Sequenz gegenüber bestimmten Abbauprozessen chemisch stabiler macht.

Verändert eine Modifikation die Molekülmasse?

Ja, um einen festen, berechenbaren Betrag. Diese Massenverschiebung muss sich in der massenspektrometrischen Prüfung wiederfinden.