Analytik
Molekülmasse aus der Sequenz berechnen
Die Molekülmasse eines linearen, unmodifizierten Peptids lässt sich ohne Labor allein aus der Sequenz berechnen. Der Rechenweg ist einfach, aber mit typischen Fehlerquellen, die eine falsche Masse plausibel aussehen lassen.
Der Grundrechenweg
Für jede Aminosäure in der Sequenz wird die Masse ihres Restes — also der Aminosäure abzüglich eines Wassermoleküls, das bei der Kupplung frei wird — addiert. Am Ende wird ein weiteres Wassermolekül addiert, um die Termini des fertigen Peptids zu berücksichtigen.
Restmassen der zwanzig proteinogenen Aminosäuren sind tabelliert und öffentlich verfügbar. Für eine Sequenz aus n Resten ergibt sich die Gesamtmasse als Summe der n Restmassen plus die Masse eines Wassermoleküls, nicht als Summe der n vollständigen Aminosäuremassen.
Kettenlängen im Katalog
| Aminosäuren | Materialien | Kupplungsschritte |
|---|---|---|
| 3–5 | 18 | 2–4 |
| 6–10 | 15 | 5–9 |
| 11–20 | 20 | 10–19 |
| 21–35 | 7 | 20–34 |
| > 35 | 2 | > 34 |
62 der 69 Materialien lassen sich über eine lineare Sequenz beschreiben. Die längste ist Thymosin Beta-4 (Vollsequenz) mit 44 Aminosäuren, die kürzeste KPV (Kapseln) mit 3. Der Unterschied ist der Grund, warum eine pauschale Reinheitszusage über einen ganzen Katalog wenig aussagt.
Der häufigste Rechenfehler
Wer stattdessen die vollständigen Aminosäuremassen addiert, ohne pro Peptidbindung ein Wassermolekül abzuziehen, erhält ein systematisch zu hohes Ergebnis — bei einer Kette aus vierzig Resten ein Fehler von über 700 Dalton, weit außerhalb jeder analytischen Toleranz.
Dieser Fehler fällt oft erst auf, wenn das berechnete Ergebnis mit einer tatsächlichen Massenspektrum-Messung verglichen wird und nicht passt — ein guter Grund, die eigene Rechnung immer an einer bekannten Referenzsequenz zu testen, bevor man ihr vertraut.
Modifikationen korrekt einrechnen
N-terminale Acetylierung addiert die Masse einer Acetylgruppe abzüglich Wasserstoff, C-terminale Amidierung ersetzt eine Hydroxyl- durch eine Aminogruppe und verändert die Masse um einen entsprechend anderen, ebenfalls tabellierten Betrag.
Bei mehreren gleichzeitigen Modifikationen müssen alle Beträge einzeln berücksichtigt werden — ein Peptid mit Acetylierung, einer Disulfidbrücke und einer PEG-Kette braucht drei separate Korrekturen der Grundmasse, nicht nur eine kombinierte Schätzung.
Werkzeuge und ihre Grenzen
Zahlreiche frei verfügbare Online-Rechner berechnen die Molekülmasse direkt aus einer eingegebenen Sequenz und sparen damit die manuelle Addition. Für Standardsequenzen ohne exotische Modifikationen liefern sie zuverlässige Ergebnisse.
Bei ungewöhnlichen Modifikationen oder nicht-proteinogenen Bausteinen stoßen viele dieser Rechner an ihre Grenzen, weil ihre Datenbanken auf die zwanzig proteinogenen Standardaminosäuren ausgelegt sind — hier bleibt die manuelle Nachrechnung oder Fachliteratur der verlässlichere Weg.
Woran sich das im Katalog ablesen lässt
Der Katalog führt derzeit 69 Referenzmaterialien in 9 Materialgruppen, mit 122 einzeln dokumentierten Chargen. Für jede dieser Chargen ist eine eigene Seite erreichbar, die Prüfmethode, Messwert, Spezifikation und Prüfdatum je Parameter ausweist — ohne Konto und vor der Kaufentscheidung einsehbar.
Bei 44 der 69 Materialien sind CAS-Nummer, Summenformel, Molekülmasse und Sequenz gegen öffentliche chemische Datenbanken abgeglichen. Die übrigen sind gekennzeichnet, weil sich mindestens ein Referenzwert dort nicht eindeutig belegen lässt — bei Gemischen, Polypeptidfraktionen und rekombinanten Proteinen ist das der Normalfall. Eine Kennzeichnung ist hier die ehrlichere Angabe als eine Zahl, die niemand nachprüfen kann.
Einordnung
Die Molekülmasse aus der Sequenz zu berechnen ist eine einfache, aber fehleranfällige Rechnung, deren häufigster Stolperstein das vergessene Wassermolekül pro Peptidbindung ist. Berechnete und gemessene Masse jedes Materials im Katalog stehen gemeinsam im jeweiligen Materialprofil, sodass sich beide Werte unmittelbar gegenrechnen lassen.
Research Use Only. Alle im Katalog geführten Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Sie sind keine Arzneimittel, keine Lebensmittel und keine Kosmetika und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.
Häufige Fragen
Wie berechnet man die Molekülmasse aus der Sequenz?
Restmassen aller Aminosäuren addieren und ein Wassermolekül für die Termini hinzufügen — nicht die vollständigen Aminosäuremassen ohne Abzug.
Was ist der häufigste Fehler bei dieser Berechnung?
Die vollständigen statt der Restmassen zu addieren, ohne pro Peptidbindung ein Wassermolekül abzuziehen — das ergibt ein systematisch zu hohes Ergebnis.
Berechnen Online-Rechner auch modifizierte Sequenzen korrekt?
Für Standardmodifikationen meist ja. Bei exotischen Modifikationen oder nicht-proteinogenen Bausteinen stoßen viele frei verfügbare Rechner an ihre Grenzen.