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Analytik

Pipettierfehler im Mikroliterbereich vermeiden

Pipettieren einer Flüssigkeit im Labor

Im Mikroliterbereich wird jede Pipettierungenauigkeit relativ bedeutsam — ein Fehler, der bei einem Milliliter vernachlässigbar wäre, kann bei zehn Mikrolitern bereits einen zweistelligen Prozentfehler bedeuten. Die meisten dieser Fehler sind technisch bedingt und mit bekannten Anpassungen vermeidbar.

Falsche Pipettiertechnik

Die Vorwärts- und die Rückwärtspipettierung sind zwei unterschiedliche Techniken mit unterschiedlicher Eignung: Vorwärtspipettierung ist Standard für wässrige Lösungen, liefert aber bei viskosen oder schäumenden Flüssigkeiten systematisch zu geringe Volumina, weil ein Teil der Flüssigkeit an der Spitze haften bleibt.

Rückwärtspipettierung — bei der mehr Flüssigkeit aufgezogen als abgegeben wird — kompensiert diesen Effekt und ist die geeignetere Technik für viskose Lösungen, konzentrierte Peptidlösungen mit erhöhter Oberflächenspannung oder Lösungen mit DMSO-Anteil, die zum Haften an der Spitzenwand neigen.

Temperaturunterschiede zwischen Pipette und Flüssigkeit

Eine deutlich kältere Flüssigkeit als die Umgebungstemperatur der Pipette kann durch thermische Ausdehnungseffekte der Luft im Pipettensystem zu einem systematischen Volumenfehler führen — ein Effekt, der bei frisch aus dem Kühlschrank oder Gefrierschrank entnommenen Lösungen besonders relevant ist.

Dieser Fehler lässt sich vermeiden, indem die zu pipettierende Lösung vor der Verwendung auf Raumtemperatur gebracht wird, oder zumindest, indem dieselbe Pipette und Spitze mehrfach mit der Lösung vorbenetzt wird, bevor das eigentliche Zielvolumen abgemessen wird.

Falsche oder unkalibrierte Pipette

Eine Pipette, die für einen anderen Volumenbereich ausgelegt ist als das tatsächlich benötigte Volumen, liefert an den Rändern ihres Nennbereichs deutlich ungenauere Ergebnisse als in der Mitte ihres Kalibrierbereichs — eine 10-µl-Pipette für 1 µl zu verwenden ist typischerweise ungenauer als eine dafür ausgelegte 2-µl-Pipette.

Regelmäßige Kalibrierung, meist durch gravimetrische Prüfung mit destilliertem Wasser, deckt eine schleichende Fehlkalibrierung auf, bevor sie systematisch in eine gesamte Versuchsreihe einfließt — ein einfacher Selbsttest, der sich ohne externes Labor durchführen lässt.

Praktische Gegenmaßnahmen im Überblick

Für kleine Volumina unter 10 µl ist es oft genauer, eine höhere Konzentration anzusetzen und ein größeres Volumen zu pipettieren, statt ein sehr kleines Volumen einer stärker konzentrierten Lösung präzise abzumessen — die relative Pipettierungenauigkeit sinkt mit steigendem abgemessenem Volumen.

Ein Luftpolster zwischen Spitzeninhalt und Kolben, wie es manche Pipettentypen systembedingt aufweisen, kann bei viskosen Lösungen zusätzliche Ungenauigkeit verursachen — hier sind Verdrängerpipetten ohne Luftpolster die genauere, wenn auch teurere Alternative.

Woran sich das im Katalog ablesen lässt

Der Katalog führt derzeit 69 Referenzmaterialien in 9 Materialgruppen, mit 122 einzeln dokumentierten Chargen. Für jede dieser Chargen ist eine eigene Seite erreichbar, die Prüfmethode, Messwert, Spezifikation und Prüfdatum je Parameter ausweist — ohne Konto und vor der Kaufentscheidung einsehbar.

Bei 44 der 69 Materialien sind CAS-Nummer, Summenformel, Molekülmasse und Sequenz gegen öffentliche chemische Datenbanken abgeglichen. Die übrigen sind gekennzeichnet, weil sich mindestens ein Referenzwert dort nicht eindeutig belegen lässt — bei Gemischen, Polypeptidfraktionen und rekombinanten Proteinen ist das der Normalfall. Eine Kennzeichnung ist hier die ehrlichere Angabe als eine Zahl, die niemand nachprüfen kann.

Einordnung

Die meisten Pipettierfehler im Mikroliterbereich sind technisch erklärbar und mit bekannten Anpassungen vermeidbar — passende Technik, angeglichene Temperatur, kalibriertes Gerät. Zusammen reduzieren sie die Streuung zwischen Versuchsdurchläufen spürbar, oft deutlicher als jede zusätzliche Sorgfalt bei der reinen Handhabung.

Research Use Only. Alle im Katalog geführten Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Sie sind keine Arzneimittel, keine Lebensmittel und keine Kosmetika und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.

Häufige Fragen

Wann sollte man Rückwärtspipettierung statt Vorwärtspipettierung verwenden?

Bei viskosen, schäumenden oder konzentrierten Lösungen, bei denen Vorwärtspipettierung systematisch zu geringe Volumina liefert.

Warum verursachen Temperaturunterschiede Pipettierfehler?

Durch thermische Ausdehnungseffekte der Luft im Pipettensystem — relevant bei frisch aus Kühlschrank oder Gefrierschrank entnommenen Lösungen.

Wie oft sollte eine Pipette kalibriert werden?

Regelmäßig, meist durch gravimetrische Prüfung mit destilliertem Wasser — eine schleichende Fehlkalibrierung fällt sonst erst bei unerklärlichen Ergebnissen auf.