Analytik
Reproduzierbarkeit dokumentieren
Reproduzierbarkeit entsteht nicht durch sorgfältiges Arbeiten allein, sondern durch die Dokumentation, die es erlaubt, einen Versuch später identisch zu wiederholen. Welche Angaben dafür tatsächlich nötig sind, wird im Laboralltag oft unterschätzt.
Materialbezogene Angaben
Chargennummer, Konzentration, Lösungsmittel und Herstellungsdatum jeder verwendeten Substanz gehören zu den Mindestangaben — ohne sie lässt sich später nicht mehr feststellen, ob eine abweichende Charge oder ein anderes Lösungsmittel für einen unterschiedlichen Versuchsausgang verantwortlich sein könnte.
Bei Materialien mit dokumentierter chargenspezifischer Reinheit ist zusätzlich sinnvoll, diesen Wert mit zu notieren — zwei Chargen mit leicht unterschiedlicher Reinheit können bei sensiblen Versuchsaufbauten zu messbar unterschiedlichen Ergebnissen führen, deren Ursache sich ohne diese Angabe nicht mehr klären lässt.
Versuchsbezogene Angaben
Exakte Konzentrationen aller eingesetzten Substanzen, Inkubationszeiten, Temperatur und die verwendeten Kontrollen gehören ebenso zur vollständigen Dokumentation wie das Datum der Durchführung — jede dieser Größen kann das Ergebnis beeinflussen und sollte deshalb nicht der Erinnerung überlassen werden.
Auch scheinbar nebensächliche Details wie die Reihenfolge der Zugabe mehrerer Substanzen oder die Wartezeit zwischen einzelnen Schritten können bei manchen Versuchsaufbauten relevant sein und sollten im Zweifel eher zu viel als zu wenig dokumentiert werden.
Umgebungsbedingungen, die leicht übersehen werden
Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und selbst die Charge des verwendeten Lösungsmittels oder Puffers können in seltenen, aber realen Fällen einen Versuchsausgang beeinflussen — Faktoren, die bei einem einzelnen Versuch unauffällig bleiben, aber bei einer misslungenen Wiederholung als mögliche Erklärung infrage kommen sollten.
Diese Angaben müssen nicht bei jedem Versuch neu erhoben werden, sollten aber zumindest grob vermerkt sein, wenn sie von den üblichen Laborbedingungen abweichen — etwa eine ungewöhnlich hohe Raumtemperatur an einem Sommertag.
Warum diese Dokumentation sich auszahlt
Der Mehraufwand für vollständige Dokumentation ist gering im Vergleich zum Aufwand, ein unerklärliches, nicht reproduzierbares Ergebnis im Nachhinein zu klären — oft Wochen oder Monate später, wenn Erinnerungen an die genauen Versuchsbedingungen bereits verblasst sind.
Ein gut dokumentierter Versuch lässt sich zudem leichter an Dritte weitergeben oder in einer Publikation nachvollziehbar beschreiben — ein Nebeneffekt der Dokumentationsdisziplin, der über die reine Reproduzierbarkeit des eigenen Labors hinausreicht.
Woran sich das im Katalog ablesen lässt
Der Katalog führt derzeit 69 Referenzmaterialien in 9 Materialgruppen, mit 122 einzeln dokumentierten Chargen. Für jede dieser Chargen ist eine eigene Seite erreichbar, die Prüfmethode, Messwert, Spezifikation und Prüfdatum je Parameter ausweist — ohne Konto und vor der Kaufentscheidung einsehbar.
Bei 44 der 69 Materialien sind CAS-Nummer, Summenformel, Molekülmasse und Sequenz gegen öffentliche chemische Datenbanken abgeglichen. Die übrigen sind gekennzeichnet, weil sich mindestens ein Referenzwert dort nicht eindeutig belegen lässt — bei Gemischen, Polypeptidfraktionen und rekombinanten Proteinen ist das der Normalfall. Eine Kennzeichnung ist hier die ehrlichere Angabe als eine Zahl, die niemand nachprüfen kann.
Einordnung
Reproduzierbarkeit ist keine Frage des Zufalls, sondern der Dokumentation. Chargennummer, exakte Konzentrationen und relevante Umgebungsbedingungen sind der Unterschied zwischen einem nachvollziehbaren und einem nicht mehr rekonstruierbaren Versuch, Monate nach der eigentlichen Durchführung, wenn Erinnerungen an Details längst verblasst sind und niemand mehr genau weiß, was tatsächlich geschah.
Research Use Only. Alle im Katalog geführten Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Sie sind keine Arzneimittel, keine Lebensmittel und keine Kosmetika und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.
Häufige Fragen
Welche Materialangaben gehören in jedes Laborjournal?
Chargennummer, Konzentration, Lösungsmittel und Herstellungsdatum jeder verwendeten Substanz — die Mindestangaben für eine spätere Rückverfolgung.
Warum sollten Umgebungsbedingungen dokumentiert werden?
Weil Faktoren wie Raumtemperatur in seltenen, aber realen Fällen einen Versuchsausgang beeinflussen können und bei einer fehlgeschlagenen Wiederholung als Erklärung infrage kommen.
Lohnt sich der Dokumentationsaufwand wirklich?
Ja — er ist deutlich geringer als der Aufwand, ein unerklärliches Ergebnis Wochen später ohne vollständige Aufzeichnungen zu klären.