Materialprofil
AICAR: Sequenz, Analytik und Studienlage
Kein Peptid, sondern ein Nukleosid-Analogon und AMPK-Aktivator. Referenzmaterial für Energiestoffwechsel-Assays. Diese Seite fasst zusammen, was sich über AICAR anhand der Referenzdaten und der analytischen Prüfung sagen lässt — Sequenz, Masse, Stabilität und die Frage, woran sich die Qualität einer konkreten Charge erkennen lässt.
Identität und Referenzdaten
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Bezeichnung | AICAR |
| Sequenz | Kein Peptid — Nukleosid-Analogon |
| Kettenlänge | 4 Aminosäuren |
| Summenformel | C9H14N4O5 |
| Molekülmasse | 258,23 g/mol |
| CAS | 2627-69-2 |
| Darreichungsform | lyophilisiertes Pulver |
| Reinheitsspezifikation | ≥ 99 % HPLC |
| Forschungsbereich | Metabolische Forschung |
Für AICAR lässt sich mindestens ein Referenzwert nicht eindeutig aus öffentlichen Datenbanken belegen — bei Gemischen, Polypeptidfraktionen und rekombinanten Proteinen ist das der Normalfall, nicht die Ausnahme. Wir kennzeichnen das als unbestätigt, statt eine Zahl zu übernehmen, die sich nicht prüfen lässt. Maßgeblich sind die Angaben zu den Einzelkomponenten.
Was die Sequenz über die Synthese verrät
Mit 4 Aminosäuren und damit 3 Kupplungsschritten gehört die Sequenz zu den kurzen Festphasensynthesen. Kurze Ketten erreichen regelmäßig hohe Reinheiten, weil sich Deletions- und Trunkierungsprodukte über wenige Schritte kaum aufsummieren.
Die Ladungsverteilung — 1 basische gegenüber 0 sauren Resten — bestimmt das Löslichkeitsverhalten. Der basische Überschuss spricht für gute Löslichkeit im leicht sauren Bereich.
Stabilität und Lagerung
Die Sequenz enthält weder Methionin noch Cystein oder Tryptophan. Damit fehlen AICAR genau die Reste, die in Peptiden üblicherweise zuerst oxidieren — ein Grund, warum das Lyophilisat vergleichsweise robust ist und Transport bei Raumtemperatur toleriert.
Ungeöffnet bei −20 °C lichtgeschützt lagern; für den Versand ist das Lyophilisat bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil. Nach Rekonstitution bei 2–8 °C lagern und wiederholtes Auftauen vermeiden.
Der praktisch häufigste Reinheitsverlust entsteht nicht bei der Lagerung, sondern beim wiederholten Auftauen einer einzigen Stammlösung. Wer direkt nach der Rekonstitution aliquotiert, entnimmt später jeweils ein frisches Gefäß und belastet den Rest nicht.
Analytische Prüfung je Charge
Für AICAR gilt die folgende Einkaufsspezifikation. Die genannten Werte sind Sollbereiche, gegen die eingekauft wird, und keine chargenbezogenen Messergebnisse:
- HPLC — Reinheitsbestimmung gegen die Spezifikation ≥ 99 %
- LC-MS — Identitätsprüfung gegen 258,23 g/mol
- Karl-Fischer — Restwassergehalt, Spezifikation ≤ 5,0 %
- ICP-MS — Schwermetallbefund, Spezifikation ≤ 10 ppm
Die Kombination ist der Punkt: HPLC allein sagt, wie einheitlich das Material ist, aber nicht, was es ist. Erst die Massenprüfung schließt aus, dass eine saubere Substanz die falsche Substanz ist.
Formate und Verfügbarkeit
AICAR ist als 50 mg, 100 mg gelistet, preislich von 0,40 € bis 0,70 €. Ab fünf Einheiten derselben Größe greift die Mengenstaffel. Für laufende Versuchsreihen ist die größere Einheit meist die ruhigere Wahl — ein Chargenwechsel mitten in einer Messreihe erzwingt sonst eine neue Referenzbestimmung.
Der Preis pro Milligramm unterscheidet sich zwischen den Formaten und ist der belastbarere Vergleichswert als der reine Fläschchenpreis. Für die Umrechnung von Einwaage in Massen- oder Stoffmengenkonzentration steht der Rekonstitutionsrechner im Werkzeugbereich zur Verfügung, der beide Größen ohne manuellen Zwischenschritt berechnet.
Referenzquellen
Keiner der verglichenen deutschen Anbieter belegt seine Stoffangaben mit einer nachprüfbaren Quelle. Wir tun das, weil ein Referenzwert, den man nicht nachschlagen kann, kein Referenzwert ist. Alle Kennungen unten wurden gegen PubChem und PubMed aufgelöst, nicht aus dem Gedächtnis notiert:
AICAR
Substanzeintrag: PubChem CID 17513 — aufgelöst über 2627-69-2. Dort stehen Summenformel, Molekülmasse und Synonyme in einer Fassung, die sich gegen unsere Angaben prüfen lässt.
- Višnjić D et al., Cells, 2021. AICAr, a Widely Used AMPK Activator with Important AMPK-Independent Effects: A Systematic Review. PMID 34064363 · doi:10.3390/cells10051095
- Fu Y et al., J Nanobiotechnology, 2025. Liposome-encapsulated AICAR hydrogel regulates macrophage metabolic reprogramming via SIK1 activation to alleviate osteoarthritis. PMID 40616103 · doi:10.1186/s12951-025-03543-3
- Chandrasekaran K et al., Int J Mol Sci, 2024. Administration of AICAR, an AMPK Activator, Prevents and Reverses Diabetic Polyneuropathy (DPN) by Regulating Mitophagy. PMID 39795939 · doi:10.3390/ijms26010080
Die genannten Arbeiten belegen, dass die Substanz Gegenstand publizierter Forschung ist. Sie sind keine Aussage über Eignung, Sicherheit oder Nutzen — die Materialien sind ausschließlich für die Laborforschung bestimmt.
Einordnung
AICAR gehört im Katalog zur Gruppe Metabolische Forschung. Analytisch benachbart sind AOD-9604, 5-Amino-1MQ, SLU-PP-332 — verwandte Fragestellungen, aber eigene Sequenzen, eigene Massen und eigene Zertifikate. Chargendaten werden zwischen Materialien nie übertragen.
Research Use Only. AICAR ist ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Das Material ist kein Arzneimittel, kein Lebensmittel und kein Kosmetikum und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt. Zu Fragestellungen am Menschen machen wir bewusst keine Angaben.
Häufige Fragen
Welche Sequenz hat AICAR?
Kein Peptid — Nukleosid-Analogon — 4 Aminosäuren, Summenformel C9H14N4O5, Molekülmasse 258,23 g/mol.
Welche Reinheit erreicht AICAR realistisch?
Die Spezifikation liegt bei ≥ 99 % HPLC. Bei 3 Kupplungsschritten ist das analytisch plausibel. Deutlich höhere beworbene Werte sind bei dieser Materialklasse kritisch zu bewerten.
Wie wird AICAR gelagert?
Ungeöffnet bei −20 °C lichtgeschützt lagern; für den Versand ist das Lyophilisat bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil. Nach Rekonstitution bei 2–8 °C lagern und wiederholtes Auftauen vermeiden.
Ist AICAR ein Arzneimittel?
Nein. AICAR ist Referenzmaterial für die Laborforschung, besitzt keine arzneimittelrechtliche Zulassung und ist nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.