Analytik
Kapsel oder Lyophilisat? Zwei Lieferformen analytisch verglichen
Mehrere Materialien führen wir in zwei Lieferformen: als Lyophilisat im Fläschchen und als Kapselformat. Die Sequenz, die Summenformel und die Reinheitsspezifikation der Substanz sind identisch. Trotzdem sind es für die Laborpraxis zwei verschiedene Materialien, und wer das eine erwartet und das andere bestellt, wird überrascht. Dieser Beitrag vergleicht die beiden Formen aus analytischer Sicht.
Die Formate im Katalog
| Material | Lyophilisat | Kapselformat |
|---|---|---|
| BPC-157 | 5 mg, 10 mg | 60 Kapseln, 30 mg gesamt |
| TB-500 | 5 mg, 10 mg | 60 Kapseln, 30 mg gesamt |
| BPC-157 + TB-500 | 10 mg, 20 mg | 60 Kapseln, 60 mg gesamt |
| KPV | 10 mg, 20 mg | 60 Kapseln, 60 mg gesamt |
| GHK-Cu | 50 mg, 100 mg | 60 Kapseln, 60 mg gesamt |
| MOTS-c | 10 mg, 40 mg | 60 Kapseln, 60 mg gesamt |
| 5-Amino-1MQ | 50 mg, 100 mg | 60 Kapseln, 100 mg gesamt |
| Methylenblau | 500 mg | 60 Kapseln, 100 mg gesamt |
Die Angabe beim Kapselformat ist immer die Gesamtmenge an Substanz im Gebinde. Je Kapsel ergibt das zwischen 0,5 und knapp 1,7 Milligramm.
Was in einer Kapsel steckt
Ein Lyophilisat ist die Substanz selbst, gegebenenfalls mit Gegenion und Restwasser. Eine Kapsel ist ein zusammengesetztes Produkt aus drei Teilen:
- Die Substanz — bei 0,5 Milligramm je Kapsel ein sehr kleiner Anteil.
- Die Füllmasse — Hilfsstoffe, die das Volumen füllen und die gleichmäßige Abfüllung erst ermöglichen. Sie macht den größten Teil der Masse aus.
- Die Kapselhülle — je nach Ausführung aus Gelatine oder Cellulosederivaten, bei manchen Formaten mit einem zusätzlichen Überzug.
Für ein Material, das in erster Linie wegen seiner genau beschriebenen Substanz bezogen wird, ist das der entscheidende Unterschied: Beim Lyophilisat ist fast jedes Milligramm Einwaage Substanz, bei der Kapsel ist es nur ein kleiner Bruchteil.
Gleichförmigkeit: die zentrale Qualitätsgröße
Bei einer Kapsel mit 0,5 Milligramm Wirkstoff in einer vielfach schwereren Füllmasse hängt alles davon ab, wie gleichmäßig die Substanz in der Mischung verteilt ist und wie gleichmäßig die Kapseln befüllt wurden. Das Europäische Arzneibuch beschreibt dafür zwei Prüfungen: die Gleichförmigkeit der Masse einzeldosierter Formen und die Gleichförmigkeit des Gehalts. Eine schlecht gemischte Füllmasse kann dazu führen, dass einzelne Kapseln deutlich mehr oder weniger Substanz enthalten als der Mittelwert.
Beim Lyophilisat stellt sich diese Frage nicht in derselben Form: Das gesamte Material im Fläschchen wird gelöst, und die Konzentration ergibt sich aus Füllmenge und Lösungsvolumen; siehe Rekonstitution berechnen.
Analytik: Extraktion statt Lösen
Die Analyse einer Kapsel beginnt mit einem Schritt, den das Lyophilisat nicht braucht: der Extraktion. Der Kapselinhalt wird entnommen, die Substanz aus der Füllmasse herausgelöst und die unlöslichen Hilfsstoffe abgetrennt. Dabei entstehen Fehlerquellen:
- Unvollständige Wiederfindung, wenn die Substanz an Hilfsstoffen haftet — bei kurzen, basischen Peptiden ein bekanntes Problem; siehe Adsorption an Gefäßwänden.
- Matrixeffekte in der HPLC und Massenspektrometrie durch mitgelöste Hilfsstoffe; siehe Blindwert und Matrixeffekt.
- Geringe Konzentration: Bei 0,5 Milligramm Substanz je Kapsel braucht eine belastbare Messung meist den Inhalt mehrerer Kapseln.
Für die Methodenentwicklung oder als Kalibrierstandard ist deshalb immer das Lyophilisat die richtige Wahl.
Lagerung
Die beiden Formen haben unterschiedliche Lagerempfehlungen. Das Lyophilisat gehört ungeöffnet bei −20 °C trocken und lichtgeschützt gelagert. Die Kapselformate lagern wir trocken, lichtgeschützt und unter 25 °C; das Behältnis wird nach jeder Entnahme fest verschlossen, damit das beigefügte Trockenmittel wirksam bleibt. Gelatinehüllen reagieren empfindlich auf Luftfeuchtigkeit — zu feucht werden sie weich und klebrig, zu trocken spröde. Die Einzelheiten beschreibt Kapselformate lagern.
Preis je Milligramm: hier kein guter Maßstab
Rechnet man den Preis je Milligramm Substanz, schneiden die Kapselformate teils günstiger ab als die Lyophilisate. Der Vergleich trägt aber nicht weit, weil die beiden Formen unterschiedlichen Zwecken dienen: Das Lyophilisat liefert eine reine, exakt rekonstituierbare Substanz, die Kapsel eine Darreichungsform mit Hilfsstoffen. Wer eine definierte Konzentration braucht, kann mit Kapseln nicht sinnvoll sparen. Den allgemeinen Rechenweg für Preisvergleiche beschreibt Preis pro Milligramm richtig rechnen.
Welche Form wofür
- Lyophilisat: Methodenentwicklung, Kalibrierung, Zellkulturversuche mit definierter Konzentration, Stabilitätsuntersuchungen der Substanz.
- Kapselformat: Untersuchungen, bei denen die Darreichungsform selbst Gegenstand ist, etwa Freisetzungs- oder Stabilitätsversuche an der Formulierung.
Das Materialprofil zum Kapselformat von BPC-157 steht unter BPC-157 (Kapseln).
Research Use Only. Alle genannten Materialien sind in unserem Katalog in beiden Lieferformen ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Sie sind keine Arzneimittel und keine Nahrungsergänzungsmittel und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.
Häufige Fragen
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Kapsel und Lyophilisat?
Das Lyophilisat ist die reine, gefriergetrocknete Substanz. Die Kapsel enthält dieselbe Substanz in kleiner Menge, eingebettet in eine Füllmasse aus Hilfsstoffen und umgeben von einer Kapselhülle. Für die Analytik ist das ein grundlegender Unterschied.
Wie viel Peptid enthält eine einzelne Kapsel?
Bei unseren Kapselformaten mit 60 Kapseln je Gebinde entspricht die Gesamtmenge 30 bis 100 Milligramm, je Kapsel also 0,5 bis knapp 1,7 Milligramm — bei einer Füllmasse, die ein Vielfaches davon wiegt. Der Peptidanteil an der Füllmasse ist entsprechend gering.
Kann man eine Kapsel für Laborversuche einfach auflösen?
Möglich, aber nicht gleichwertig zur Rekonstitution eines Lyophilisats. Die Hilfsstoffe gehen mit in Lösung oder bleiben als Trübung zurück, und die Konzentration ist nur so genau wie die Gleichförmigkeit des Füllgewichts. Für Versuche, die eine definierte Konzentration brauchen, ist das Lyophilisat die geeignete Form.