Materialprofil
Melanotan II: Sequenz, Analytik und Studienlage
Zyklisches Heptapeptid-Analogon des α-MSH. Referenzmaterial in Melanocortin-Rezeptor-Bindungsstudien. Diese Seite fasst zusammen, was sich über Melanotan II anhand der Referenzdaten und der analytischen Prüfung sagen lässt — Sequenz, Masse, Stabilität und die Frage, woran sich die Qualität einer konkreten Charge erkennen lässt.
Identität und Referenzdaten
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Bezeichnung | Melanotan II |
| Sequenz | Ac-Nle-cyclo[Asp-His-D-Phe-Arg-Trp-Lys]-NH2 |
| Kettenlänge | 11 Aminosäuren |
| Summenformel | C50H69N15O9 |
| Molekülmasse | 1024,18 g/mol |
| CAS | 121062-08-6 |
| Darreichungsform | lyophilisiertes Pulver |
| Reinheitsspezifikation | ≥ 99 % HPLC |
| Forschungsbereich | Pigmentierung & Hautmodelle |
Die Referenzdaten in dieser Tabelle wurden gegen öffentliche chemische Datenbanken abgeglichen. Eine Datenbank beschreibt allerdings die Substanz, nicht das gelieferte Fläschchen: chargenbezogene Messwerte werden hier nicht veröffentlicht.
Was die Sequenz über die Synthese verrät
Bei 11 Aminosäuren und 10 Kupplungsschritten sind Reinheitswerte um 99 % analytisch plausibel. Jeder Kupplungsschritt trägt eine kleine Fehlerrate; über diese Kettenlänge bleibt die Summe beherrschbar, sofern die Aufreinigung sauber geführt wird.
Die Ladungsverteilung — 2 basische gegenüber 1 sauren Resten — bestimmt das Löslichkeitsverhalten. Der basische Überschuss spricht für gute Löslichkeit im leicht sauren Bereich.
Stabilität und Lagerung
Die Sequenz enthält weder Methionin noch Cystein oder Tryptophan. Damit fehlen Melanotan II genau die Reste, die in Peptiden üblicherweise zuerst oxidieren — ein Grund, warum das Lyophilisat vergleichsweise robust ist und Transport bei Raumtemperatur toleriert.
Ungeöffnet bei −20 °C lichtgeschützt lagern; für den Versand ist das Lyophilisat bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil. Nach Rekonstitution bei 2–8 °C lagern und wiederholtes Auftauen vermeiden.
Der praktisch häufigste Reinheitsverlust entsteht nicht bei der Lagerung, sondern beim wiederholten Auftauen einer einzigen Stammlösung. Wer direkt nach der Rekonstitution aliquotiert, entnimmt später jeweils ein frisches Gefäß und belastet den Rest nicht.
Analytische Prüfung je Charge
Für Melanotan II gilt die folgende Einkaufsspezifikation. Die genannten Werte sind Sollbereiche, gegen die eingekauft wird, und keine chargenbezogenen Messergebnisse:
- HPLC — Reinheitsbestimmung gegen die Spezifikation ≥ 99 %
- LC-MS — Identitätsprüfung gegen 1024,18 g/mol
- Karl-Fischer — Restwassergehalt, Spezifikation ≤ 5,0 %
- ICP-MS — Schwermetallbefund, Spezifikation ≤ 10 ppm
Die Kombination ist der Punkt: HPLC allein sagt, wie einheitlich das Material ist, aber nicht, was es ist. Erst die Massenprüfung schließt aus, dass eine saubere Substanz die falsche Substanz ist.
Formate und Verfügbarkeit
Melanotan II ist als 10 mg gelistet, preislich von 0,30 €. Ab fünf Einheiten derselben Größe greift die Mengenstaffel. Für laufende Versuchsreihen ist die größere Einheit meist die ruhigere Wahl — ein Chargenwechsel mitten in einer Messreihe erzwingt sonst eine neue Referenzbestimmung.
Der Preis pro Milligramm unterscheidet sich zwischen den Formaten und ist der belastbarere Vergleichswert als der reine Fläschchenpreis. Für die Umrechnung von Einwaage in Massen- oder Stoffmengenkonzentration steht der Rekonstitutionsrechner im Werkzeugbereich zur Verfügung, der beide Größen ohne manuellen Zwischenschritt berechnet.
Referenzquellen
Keiner der verglichenen deutschen Anbieter belegt seine Stoffangaben mit einer nachprüfbaren Quelle. Wir tun das, weil ein Referenzwert, den man nicht nachschlagen kann, kein Referenzwert ist. Alle Kennungen unten wurden gegen PubChem und PubMed aufgelöst, nicht aus dem Gedächtnis notiert:
Melanotan II
Substanzeintrag: PubChem CID 92432 — aufgelöst über 121062-08-6. Dort stehen Summenformel, Molekülmasse und Synonyme in einer Fassung, die sich gegen unsere Angaben prüfen lässt.
- Peters B et al., CEN Case Rep, 2020. Melanotan II: a possible cause of renal infarction: review of the literature and case report. PMID 31953620 · doi:10.1007/s13730-020-00447-z
- Wekwejt P et al., Biomed Pharmacother, 2023. Melanotan-II reverses memory impairment induced by a short-term HF diet. PMID 37478579 · doi:10.1016/j.biopha.2023.115129
- Gilhooley E et al., Dermatology, 2021. Melanotan II User Experience: A Qualitative Study of Online Discussion Forums. PMID 34464955 · doi:10.1159/000514492
Die genannten Arbeiten belegen, dass die Substanz Gegenstand publizierter Forschung ist. Sie sind keine Aussage über Eignung, Sicherheit oder Nutzen — die Materialien sind ausschließlich für die Laborforschung bestimmt.
Einordnung
Melanotan II gehört im Katalog zur Gruppe Pigmentierung & Hautmodelle. Analytisch benachbart sind Melanotan I, GHK-Cu, AHK-Cu — verwandte Fragestellungen, aber eigene Sequenzen, eigene Massen und eigene Zertifikate. Chargendaten werden zwischen Materialien nie übertragen.
Research Use Only. Melanotan II ist ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Das Material ist kein Arzneimittel, kein Lebensmittel und kein Kosmetikum und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt. Zu Fragestellungen am Menschen machen wir bewusst keine Angaben.
Häufige Fragen
Welche Sequenz hat Melanotan II?
Ac-Nle-cyclo[Asp-His-D-Phe-Arg-Trp-Lys]-NH2 — 11 Aminosäuren, Summenformel C50H69N15O9, Molekülmasse 1024,18 g/mol.
Welche Reinheit erreicht Melanotan II realistisch?
Die Spezifikation liegt bei ≥ 99 % HPLC. Bei 10 Kupplungsschritten ist das analytisch plausibel. Deutlich höhere beworbene Werte sind bei dieser Materialklasse kritisch zu bewerten.
Wie wird Melanotan II gelagert?
Ungeöffnet bei −20 °C lichtgeschützt lagern; für den Versand ist das Lyophilisat bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil. Nach Rekonstitution bei 2–8 °C lagern und wiederholtes Auftauen vermeiden.
Ist Melanotan II ein Arzneimittel?
Nein. Melanotan II ist Referenzmaterial für die Laborforschung, besitzt keine arzneimittelrechtliche Zulassung und ist nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.