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Analytik

Retatrutide oder Tirzepatide? Ein analytischer Vergleich

Behandschuhte Hände tragen Messwerte in ein Prüfprotokoll ein

Retatrutide und Tirzepatide werden häufig nebeneinander genannt und gelegentlich verwechselt. Sie gehören im Katalog beide zur Gruppe Inkretin- & Rezeptoragonisten, sind aber unterschiedliche Substanzen mit eigener Sequenz, eigener Masse und eigener Chargennummer. Dieser Beitrag stellt die Referenzdaten nebeneinander und benennt, was der Unterschied für die Laborpraxis bedeutet.

Die Referenzdaten im direkten Vergleich

ParameterRetatrutideTirzepatide
Kettenlänge8 AS11 AS
SummenformelC221H342N46O68C225H348N48O68
Molekülmasse4731,33 g/mol4813,45 g/mol
CAS2381089-83-22023788-19-2
FormLyophilisatLyophilisat
Reinheit≥ 99,2 %≥ 99,1 %
Formate5 mg, 10 mg, 20 mg5 mg, 10 mg, 20 mg

Der auffälligste Unterschied ist die Masse: Tirzepatide ist rund 1,0-mal so schwer wie Retatrutide. Das ist kein kosmetischer Wert. Bei gleicher Einwaage in Milligramm enthält das leichtere Material entsprechend mehr Moleküle, sodass ein Vergleich auf Massenbasis und ein Vergleich auf molarer Basis zu verschiedenen Ergebnissen führen. Wer beide Materialien in einer Reihe führt, sollte festlegen, welche der beiden Bezugsgrößen gilt, und das im Laborjournal notieren.

Was die Sequenzen unterscheidet

Retatrutide bringt 8 Aminosäuren und damit 7 Kupplungsschritte mit, Tirzepatide 11 und 10. Die Längen liegen nah beieinander, sodass die Reinheitsangaben beider Materialien unmittelbar vergleichbar sind.

Für die Handhabung relevanter ist die Restezusammensetzung: Retatrutide trägt oxidationsempfindliche Reste (Methionin, Cystein oder Tryptophan), Tirzepatide in geringerem Maße. Das betrifft Lichtschutz, Kopfraumsauerstoff und die Frage, wie lange eine rekonstituierte Lösung brauchbar bleibt.

Lagerung im Vergleich

Beide Materialien teilen dieselbe Lagerempfehlung: Ungeöffnet bei −20 °C lichtgeschützt lagern; für den Versand ist das Lyophilisat bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil. Nach Rekonstitution bei 2–8 °C lagern und wiederholtes Auftauen vermeiden. Das vereinfacht die Vorratshaltung — ein Lagerort, ein Regime.

Reinheit, Formate und Preis je Milligramm

Die Spezifikationen unterscheiden sich: Retatrutide ist mit ≥ 99,2 % geführt, Tirzepatide mit ≥ 99,1 %. Für einen belastbaren Vergleich zählt allerdings der gemessene Wert der konkreten Charge, nicht die Zusage.

Preislich liegt Retatrutide bei 0,45 € bis 1,30 € über die Formate 5 mg, 10 mg, 20 mg, Tirzepatide bei 0,40 € bis 1,00 € über 5 mg, 10 mg, 20 mg. Der belastbare Vergleichsmaßstab ist der Preis je Milligramm, nicht der Fläschchenpreis: unterschiedliche Füllmengen machen zwei Angebote sonst scheinbar vergleichbar, die es nicht sind.

Was der Vergleich nicht leisten kann

Dieser Beitrag vergleicht Referenzdaten und analytische Prüftiefe. Er vergleicht ausdrücklich keine Ergebnisse an Modellsystemen und trifft keine Aussage darüber, welches Material für eine bestimmte Fragestellung das geeignetere ist — das entscheidet der Versuchsaufbau, nicht der Katalog. Wo die publizierte Datenlage dünn ist, ist sie dünn; das lässt sich durch eine Gegenüberstellung nicht heilen.

Referenzquellen

Keiner der verglichenen deutschen Anbieter belegt seine Stoffangaben mit einer nachprüfbaren Quelle. Wir tun das, weil ein Referenzwert, den man nicht nachschlagen kann, kein Referenzwert ist. Alle Kennungen unten wurden gegen PubChem und PubMed aufgelöst, nicht aus dem Gedächtnis notiert:

Retatrutide

Tirzepatide

Substanzeintrag: PubChem CID 166567236 — aufgelöst über 2023788-19-2. Dort stehen Summenformel, Molekülmasse und Synonyme in einer Fassung, die sich gegen unsere Angaben prüfen lässt.

Die genannten Arbeiten belegen, dass die Substanz Gegenstand publizierter Forschung ist. Sie sind keine Aussage über Eignung, Sicherheit oder Nutzen — die Materialien sind ausschließlich für die Laborforschung bestimmt.

Welches Material wofür

Ein praktischer Hinweis zur Vorratshaltung: Wer beide Materialien parallel führt, sollte sie getrennt etikettieren und die Chargennummer im Laborjournal mitführen. Retatrutide und Tirzepatide sehen als Lyophilisat identisch aus, und eine Verwechslung fällt ohne erneute Massenprüfung nicht auf — das ist der häufigste vermeidbare Fehler bei benachbarten Referenzmaterialien.

Die ehrliche Antwort: das hängt an der Fragestellung, nicht an einer Rangfolge. Beide Materialien sind Referenzsubstanzen, keine konkurrierenden Produkte mit einem Sieger. Wer eine Methode etabliert, nimmt das Material mit der belastbareren Referenzlage; wer vergleichende Reihen fährt, braucht ohnehin beide. Entscheidend ist, dass die Charge dokumentiert ist und die Zertifikate zueinander passen.

Research Use Only. Beide Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt, sind keine Arzneimittel und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt. Aussagen zu Fragestellungen am Menschen treffen wir nicht.

Häufige Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen Retatrutide und Tirzepatide?

Es sind unterschiedliche Substanzen: Retatrutide hat die Summenformel C221H342N46O68 bei 4731,33 g/mol, Tirzepatide die Summenformel C225H348N48O68 bei 4813,45 g/mol. Jedes Material wird unter eigener Chargennummer geführt.

Lassen sich Retatrutide und Tirzepatide direkt vergleichen?

Auf Massenbasis ja, auf molarer Basis nur nach Umrechnung über die jeweilige Molekülmasse. Welche Bezugsgröße gilt, sollte vor Beginn einer Vergleichsreihe festgelegt und dokumentiert werden.

Haben beide Materialien dieselbe Reinheitsspezifikation?

Nein: Retatrutide ist mit ≥ 99,2 % spezifiziert, Tirzepatide mit ≥ 99,1 %. Beide Angaben sind Spezifikationen, keine chargenbezogenen Messwerte.