Bestellungen bis
14:00 Uhr (MEZ/MESZ) versenden wir am selben Werktag
Mindestbestellwert
299,00 €
EU-Versand spätestens binnen
48 Stunden
Zustellung mit
DHL Express & GLS
Versandkostenfrei
in der gesamten EU

Analytik

Größenausschlusschromatographie (SEC): Aggregate in Peptidmaterial nachweisen

Chromatographiesäule mit farbigen Banden neben Laborflaschen

Die Reinheitsangabe auf einem Analysezertifikat beruht fast immer auf der Umkehrphasen-HPLC. Diese Methode ist hervorragend darin, chemisch verschiedene Moleküle zu trennen — Deletionen, Oxidationsprodukte, Trunkierungen. Sie ist aber blind für eine Frage, die in wässriger Lösung große Bedeutung haben kann: Liegt das Peptid einzeln vor oder hat es sich zu größeren Verbänden zusammengelagert? Für diese Frage ist die Größenausschlusschromatographie (SEC) zuständig.

Das Prinzip: Poren als Sieb

Eine SEC-Säule ist mit porösen Partikeln gefüllt, deren Porengröße genau definiert ist. Moleküle, die größer sind als die Poren, können nicht eindringen und wandern im Raum zwischen den Partikeln rasch durch die Säule. Kleinere Moleküle dringen in die Poren ein, legen einen längeren Weg zurück und kommen später am Detektor an.

Die Reihenfolge ist also umgekehrt zu dem, was man intuitiv erwartet: Große Moleküle eluieren zuerst. Im Chromatogramm erscheinen Aggregate als Peaks vor dem Monomer, oft als kleine Schulter oder als separater früher Peak.

Anders als bei der Umkehrphasen-HPLC soll das Säulenmaterial dabei möglichst keine Wechselwirkung mit der Probe eingehen. Das Laufmittel ist meist ein wässriger Puffer, der die Bedingungen einer Lösung im Labor nachbildet. Genau das macht SEC aussagekräftig für Aggregate: Sie werden nicht durch das Laufmittel aufgelöst.

Warum Aggregate der RP-HPLC entgehen

In der Umkehrphasen-HPLC laufen Peptide in Gemischen aus Wasser, Acetonitril und Trifluoressigsäure. Viele Aggregate werden durch hydrophobe Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken zusammengehalten, also nicht kovalent. Unter den denaturierenden Bedingungen der RP-HPLC zerfallen sie in ihre Einzelmoleküle, die dann als ein sauberer Hauptpeak erscheinen.

Das bedeutet: Ein Material mit „99 % HPLC-Reinheit“ kann in einer wässrigen Lösung trotzdem zu einem erheblichen Teil aggregiert vorliegen. Die beiden Aussagen widersprechen sich nicht; sie beantworten verschiedene Fragen. Was die HPLC-Prozentzahl genau aussagt, beschreibt der Beitrag HPLC-Reinheit verstehen.

Kovalente Aggregate — etwa Dimere über eine Disulfidbrücke — können dagegen auch in der RP-HPLC als eigener Peak auftauchen.

Welche Peptide aggregieren

Nicht jedes Peptid ist gefährdet. Die Neigung zur Aggregation steigt mit einigen gut bekannten Merkmalen:

  • Kettenlänge. Längere Peptide haben mehr Möglichkeiten, sich zu falten und miteinander zu verhaken.
  • Hydrophobe Abschnitte, besonders in Kombination mit aromatischen Resten.
  • Fettsäure-Seitenketten. Lipidierte Peptide wie Semaglutide oder Tirzepatide lagern sich über ihre Fettsäureketten gezielt zu Oligomeren zusammen. Das ist Teil ihres Designs, macht aber die Frage nach dem Aggregationszustand in Lösung besonders relevant; siehe Fettsäure-Seitenketten in Peptidanaloga.
  • Freie Cysteine, die kovalente Dimere bilden können.
  • Rekombinante Proteine wie Follistatin-344 oder ACE-031, bei denen Aggregate zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen überhaupt gehören.

Hinzu kommen äußere Faktoren: hohe Konzentration, ein pH-Wert nahe dem isoelektrischen Punkt, wiederholtes Einfrieren und Auftauen, kräftiges Schütteln und die Kontaktfläche zu Luft und Gefäßwänden.

Grenzen der Methode

SEC ist kein Allheilmittel. Bei sehr kurzen Peptiden unter etwa 2000 Da ist die Trennung von Monomer und Dimer auf gängigen Säulen oft unzureichend, weil beide noch vollständig in die Poren passen. Außerdem können unerwünschte Wechselwirkungen mit dem Säulenmaterial, vor allem bei stark basischen oder hydrophoben Peptiden, die Retentionszeiten verzerren. Dagegen helfen Salz- oder geringe Lösungsmittelzusätze im Laufmittel — die aber wiederum schwache Aggregate auflösen können. Die Methode muss also zum Material passen.

Ergänzend eignen sich die dynamische Lichtstreuung, die Größenverteilungen in Lösung schnell abschätzt, und die analytische Ultrazentrifugation für genaue Untersuchungen.

Praktische Hinweise

  • Eine trübe oder opaleszierende Lösung ist ein erster, einfacher Hinweis auf Aggregation. Filtrieren beseitigt das Symptom, nicht die Ursache, und entfernt dabei Material; siehe Sterilfiltration mit 0,22 µm.
  • Konzentrierte Stammlösungen sind anfälliger als verdünnte. Wer Aggregation vermeiden will, arbeitet mit der niedrigsten praktikablen Stammkonzentration.
  • Lösungen sanft schwenken, nicht vortexen, und Schaum vermeiden.
  • Aggregationsneigung hängt vom pH-Wert ab. Die Wahl des Lösungsmittels beschreibt Löslichkeitsprobleme systematisch lösen.

Research Use Only. Alle im Katalog geführten Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.

Häufige Fragen

Was misst die Größenausschlusschromatographie?

Sie trennt Moleküle nach ihrer Größe in Lösung. Große Moleküle und Aggregate passen nicht in die Poren des Säulenmaterials und laufen zuerst durch, kleine Moleküle dringen in die Poren ein und kommen später. So werden Dimere, Oligomere und größere Aggregate vom Monomer getrennt.

Warum sieht die normale HPLC keine Aggregate?

Die Umkehrphasen-HPLC arbeitet mit organischen Lösungsmitteln und Säure. Unter diesen Bedingungen lösen sich viele nicht-kovalente Aggregate wieder auf, und das Peptid erscheint als einheitlicher Peak — obwohl es in wässriger Lösung aggregiert vorlag.

Bei welchen Peptiden ist eine Aggregatprüfung sinnvoll?

Bei längeren und hydrophoben Sequenzen, bei lipidierten Peptiden mit Fettsäure-Seitenkette, bei rekombinanten Proteinen und generell dann, wenn eine Lösung trüb wird oder sich Ergebnisse über die Zeit verschieben.