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Analytik

„GLP-3“: was hinter der Bezeichnung steckt — und was nicht

Beschriftete Laborflaschen aus Klarglas mit Glasstopfen

Wer nach „GLP-3“ sucht, findet Shops, Foren und Videos, die den Begriff verwenden, als wäre er ein Stoffname. Das ist er nicht. Ein Hormon namens GLP-3 gibt es nicht, und die Bezeichnung kann je nach Anbieter Unterschiedliches meinen. Dieser Beitrag erklärt, woher der Name stammt, was in aller Regel dahintersteckt und woran man das Material eindeutig erkennt.

Was es gibt: GLP-1 und GLP-2

„GLP“ steht für glucagon-like peptide, glukagonähnliches Peptid. Das Vorläuferprotein Proglukagon wird je nach Gewebe unterschiedlich gespalten. Dabei entstehen unter anderem:

  • Glukagon mit 29 Aminosäuren,
  • GLP-1 in seinen aktiven Formen mit 30 bzw. 31 Aminosäuren,
  • GLP-2 mit 33 Aminosäuren,
  • sowie weitere Fragmente wie Oxyntomodulin und Glicentin.

GLP-1 und GLP-2 heißen so, weil sie in ihrer Sequenz dem Glukagon ähneln, und sie sind nach der Reihenfolge ihrer Lage im Vorläufer nummeriert. Ein drittes Peptid dieser Reihe ist nicht beschrieben. Wie Peptidhormone aus Vorläufern entstehen, erklärt Peptidhormone: Beispiele und Strukturmerkmale.

Woher der Name stammt

Die Bezeichnung „GLP-3“ ist im Handel und in Onlineforen entstanden, als Wirkstoffe mit mehreren Zielrezeptoren bekannt wurden. Die Logik dahinter ist eine Zählung von Rezeptoren, keine chemische:

  • Semaglutide greift an einem Rezeptor an, dem GLP-1-Rezeptor.
  • Tirzepatide greift an zwei Rezeptoren an, dem GIP- und dem GLP-1-Rezeptor.
  • Retatrutide greift an drei Rezeptoren an: GIP, GLP-1 und Glukagon.

Aus „drei Rezeptoren“ wurde im Sprachgebrauch „GLP-3“. Gemeint ist damit in aller Regel Retatrutide. Die drei Rezeptoren stellt der Beitrag GLP-1, GIP und Glukagon: das Rezeptortrio vor.

Warum der Name ein Problem ist

Ein umgangssprachlicher Name hat keinen Stoffbezug. Unter „GLP-3“ kann ein Anbieter Retatrutide verkaufen, ein anderer ein Gemisch, ein dritter etwas, dessen Identität er selbst nicht belegen kann. Für Forschung, bei der die Identität des Materials die Grundlage jedes Ergebnisses ist, taugt der Begriff deshalb nicht als Bezeichnung.

Die eindeutigen Merkmale von Retatrutide sind:

AngabeWert
Name (INN)Retatrutide
EntwicklungsbezeichnungLY3437943
SummenformelC221H342N46O68
Molekülmasse4731,33 g/mol
CAS2381089-83-2

Ein Angebot, das „GLP-3“ verkauft und diese Angaben nicht nennt, lässt die entscheidende Frage offen. Wie Trivialnamen, Sequenznamen und CAS-Nummern zusammenhängen, beschreibt Nomenklatur: Trivialname, Sequenzname, CAS. Zum Status von Retatrutide als Wirkstoff in klinischer Entwicklung siehe Retatrutide: Status als Prüfpräparat.

Retatrutide und der Triple-G Blend

Eine zweite Verwechslung liegt nahe, weil beide mit der Zahl drei spielen:

  • Retatrutide ist ein Molekül, das an drei Rezeptoren angreift.
  • Der Triple-G Blend ist eine Mischung aus drei verschiedenen Molekülen — Retatrutide, Tirzepatide und Semaglutide — in einem Fläschchen.

Chemisch und analytisch sind das zwei verschiedene Dinge. Das Einzelmaterial zeigt im Chromatogramm einen Hauptpeak, der Blend drei. Für Versuchsreihen, die die Beiträge einzelner Rezeptoren trennen sollen, ist das Einzelmaterial die methodisch saubere Wahl; der Blend eignet sich dafür nicht. Hinweise zur Lagerung von Mischungen stehen in Blends lagern.

Praktische Empfehlung

Bei der Beschaffung und im Laborjournal sollte immer der Stoffname — Retatrutide — zusammen mit CAS-Nummer und Chargennummer stehen, nie ein Spitzname. Das gilt für Bestellungen genauso wie für Etiketten auf Aliquots. Die Referenzdaten und die publizierte Studienlage fasst das Materialprofil Retatrutide zusammen.

Research Use Only. Retatrutide, Tirzepatide, Semaglutide und der Triple-G Blend sind in unserem Katalog ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt. Sie sind keine Arzneimittel und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.

Häufige Fragen

Gibt es ein Hormon namens GLP-3?

Nein. Aus dem Vorläuferprotein Proglukagon entstehen unter anderem Glukagon, GLP-1 und GLP-2. Ein GLP-3 ist in der Physiologie nicht beschrieben. Der Name ist eine umgangssprachliche Bezeichnung aus dem Handel und aus Onlineforen.

Was ist mit „GLP-3“ meistens gemeint?

In aller Regel Retatrutide, ein einzelnes synthetisches Molekül, das an drei Rezeptoren angreift: am GIP-, am GLP-1- und am Glukagonrezeptor. Die Zahl 3 spielt auf diese drei Zielstrukturen an, nicht auf ein drittes GLP.

Ist der Triple-G Blend dasselbe wie Retatrutide?

Nein. Retatrutide ist ein einzelnes Molekül mit drei Zielrezeptoren. Der Triple-G Blend ist eine Mischung aus drei verschiedenen Molekülen — Retatrutide, Tirzepatide und Semaglutide — in einem Fläschchen.