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Analytik

Systemeignungstest (SST): bevor die HPLC misst

Autosampler-Karussell mit farbig verschlossenen Probenfläschchen

Eine validierte HPLC-Methode ist ein Versprechen: Unter den beschriebenen Bedingungen trennt sie Hauptprodukt und Verunreinigungen zuverlässig und misst reproduzierbar. Ob diese Bedingungen an einem bestimmten Tag tatsächlich gegeben sind, ist eine andere Frage. Säulen altern, Laufmittel werden falsch angesetzt, Pumpen verlieren Dichtigkeit. Der Systemeignungstest (SST, system suitability test) beantwortet diese Frage, bevor Proben gemessen werden. Dieser Beitrag erklärt, was er prüft.

Das Prinzip

Vor der eigentlichen Messserie — und bei langen Serien auch zwischendurch oder am Ende — wird eine definierte Testlösung gemessen. Sie enthält typischerweise das Zielpeptid und eine oder mehrere bekannte Verunreinigungen oder ein gezielt erzeugtes Abbauprodukt. Aus dem Chromatogramm werden festgelegte Kennzahlen berechnet und mit Grenzwerten verglichen, die in der Methode vorab festgelegt wurden. Nur wenn alle Kriterien erfüllt sind, gilt die Serie als gültig.

Die Arzneibücher beschreiben die Kennzahlen und ihre Berechnung in ihren allgemeinen Kapiteln zur Chromatographie. Die konkreten Grenzwerte legt jede Methode selbst fest.

Die Kriterien im Einzelnen

Auflösung. Die Auflösung (Rs) beschreibt, wie gut zwei benachbarte Peaks voneinander getrennt sind — berechnet aus dem Abstand ihrer Retentionszeiten und ihren Peakbreiten. Entscheidend ist das kritische Paar: das Peakpaar, das am schwersten zu trennen ist, bei Peptiden oft das Hauptprodukt und eine Deletions- oder Deamidierungsvariante. Eine Auflösung von 1,5 entspricht bei gleich großen, symmetrischen Peaks einer Trennung bis zur Basislinie. Sinkt die Auflösung, verschwindet die Verunreinigung im Hauptpeak — und die Reinheit wird zu hoch angegeben.

Symmetrie. Ein idealer Peak ist symmetrisch. Tailing, also ein ausgezogener hinterer Rand, entsteht bei Peptiden häufig durch Wechselwirkungen basischer Reste mit dem Säulenmaterial oder durch eine alternde Säule. Ein stark tailender Hauptpeak überdeckt nachfolgende Nebenpeaks. Der Symmetriefaktor wird deshalb mit einem Grenzbereich um den Idealwert 1 geprüft.

Wiederholbarkeit. Dieselbe Lösung wird mehrfach nacheinander gemessen, meist fünf- oder sechsmal. Aus den Peakflächen und Retentionszeiten wird die relative Standardabweichung berechnet. Streuen die Flächen stark, ist die Probenaufgabe oder die Detektion nicht stabil; driften die Retentionszeiten, stimmt etwas mit Pumpe, Gradient oder Säulentemperatur nicht.

Signal-Rausch-Verhältnis. Wird eine Methode zur Bestimmung von Verunreinigungen eingesetzt, prüft der SST oft zusätzlich eine Lösung an der Bestimmungsgrenze. Das Signal muss dort ein festgelegtes Verhältnis zum Rauschen erreichen, üblicherweise mindestens 10 zu 1. So ist sichergestellt, dass die Methode an diesem Tag so empfindlich ist, wie sie sein soll; siehe Nachweis- und Bestimmungsgrenze.

Weitere Kennzahlen wie die theoretische Bodenzahl als Maß für die Trennleistung der Säule oder der Retentionsfaktor ergänzen das Bild.

Was ein nicht bestandener SST bedeutet

Scheitert der Systemeignungstest, werden keine Probenergebnisse berichtet. Stattdessen wird die Ursache gesucht: Laufmittel frisch ansetzen, Säule spülen oder ersetzen, Gerät warten. Erst ein bestandener SST gibt die Messserie frei. Das ist unbequem, aber genau der Punkt: Ein Ergebnis, das auf einem nicht geeigneten System entstanden ist, wirkt genauso präzise wie ein richtiges — auf dem Papier ist es nicht zu unterscheiden.

Validierung, Systemeignung, Messung

Die drei Ebenen bauen aufeinander auf:

  1. Validierung — einmalig: Die Methode ist für ihren Zweck geeignet; siehe Methodenvalidierung nach ICH Q2.
  2. Systemeignung — je Serie: Das System erfüllt heute die Voraussetzungen der Methode.
  3. Messung — je Probe: das eigentliche Ergebnis.

Fehlt eine Ebene, fehlt ein Glied in der Kette. Eine HPLC-Reinheitsangabe ist am belastbarsten, wenn alle drei dokumentiert sind.

Woran man es im Zertifikat erkennt

Ein Analysezertifikat muss die SST-Daten nicht vollständig abdrucken. Aussagekräftig sind aber Hinweise wie „Systemeignung erfüllt“ mit Nennung der Kriterien, ein abgebildetes Chromatogramm mit sauber getrennten Nebenpeaks und eine Methode, die konkret benannt ist. Wie man ein Chromatogramm selbst liest, beschreibt Ein Chromatogramm lesen; welche Rolle Gradient und Retentionszeit spielen, Gradient und Retentionszeit als Identitätshinweis.

Research Use Only. Alle im Katalog geführten Materialien sind ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung bestimmt und nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt.

Häufige Fragen

Was ist ein Systemeignungstest?

Eine Prüfung, die vor oder während einer Messserie zeigt, dass das konkrete HPLC-System an diesem Tag die Leistung erbringt, die die validierte Methode voraussetzt. Gemessen wird eine definierte Testlösung; nur wenn festgelegte Kriterien erfüllt sind, gelten die Ergebnisse der Serie.

Welche Kriterien prüft ein SST typischerweise?

Die Auflösung zwischen einem kritischen Peakpaar, die Symmetrie des Hauptpeaks, die Wiederholbarkeit von Peakfläche und Retentionszeit bei mehreren Messungen derselben Lösung sowie gegebenenfalls das Signal-Rausch-Verhältnis an der Bestimmungsgrenze.

Was ist der Unterschied zwischen Validierung und Systemeignung?

Die Validierung zeigt einmalig, dass eine Methode grundsätzlich für ihren Zweck geeignet ist. Der Systemeignungstest zeigt bei jeder Messserie, dass die Voraussetzungen dafür an diesem Tag, mit dieser Säule und diesem Laufmittel gegeben sind.